25 Jahre Sir-Greene-Stiftung: Guter Journalismus bleibt unverzichtbar

Vier Stipendiaten 2026

Was wäre diese Gesellschaft ohne einen Journalismus, der genau hinsieht, kritische Fragen stellt, der Widersprüche und Missstände aufdeckt, der uns dabei hilft, die Welt nicht nur wahrzunehmen, sondern auch zu verstehen? Und was ist das Besondere bei der Förderung junger Journalist:innen der Sir-Greene-Stiftung?

Zum 25-jährigen Jubiläum der Sir-Greene-Stiftung am 27. Oktober 2026 griffen Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay und Dr. Helge Fuhst, Chefredakteur der Premium Gruppe des Axel Springer Verlages, diese Fragen auf. Für Onay ging es um die Relevanz und den Erhalt des Lokaljournalismus. Für Fuhst, der 2006 Leibniz-Stipendiat der Stiftung war, standen die Themen KI und die Zukunft des Journalismus im Mittelpunkt.

Belit Onay machte deutlich, dass guter Journalismus mehr ist als die Vermittlung von Nachrichten. Er sei eine unverzichtbare Voraussetzung dafür, dass Demokratie funktionieren kann. Mit der Stipendienvergabe schenke die Sir-Greene-Stiftung jungen Menschen Vertrauen. Vertrauen in ihre Ideen, ihre journalistischen Ambitionen, ihre Neugier und in ihre Fähigkeit, unsere Gesellschaft mit guten Geschichten, kritischen Fragen und sorgfältig recherchierten Fakten voranzubringen. Er wünschte der Stiftung, dass sie ihr wichtiges Engagement noch viele weitere Jahre erfolgreich fortsetzen könne. Sein Grußwort können Sie hier lesen.

Dr. Helge Fuhst betonte in seiner Keynote, dass zwischen 2006 und 2026 viele Printzeitungen verschwunden seien. Die Trennung zwischen professionellen Journalisten und einem rezipierenden Publikum bestehe nicht mehr. „Heute kann jeder sein eigener Chefredakteur sein“, so Fuhst. Die Entwicklung sei rasant. Früher brauchten Plattformen wie Facebook oder Twitter noch Jahre, um eine kritische Masse zu erreichen. Heute sind Apps wie TikTok, Temu oder spezialisierte KI-Tools oft innerhalb von wenigen Wochen weltweit in aller Munde.

Er wies darauf hin, dass die Nutzung bekannter Social-Media-Plattformen seit dem Vorjahr nicht weiter zugelegt habe. KI gewinne an Bedeutung, um Prozesse schneller und schlanker zu gestalten. Journalismus sei dauerhaft nur finanzierbar, wenn vieles an die KI delegiert werde. Aber, so Fuhst, Geschichten werden nicht von Algorithmen geschrieben. Der menschliche Faktor bleibe im Journalismus unverzichtbar.

An die jungen Journalist:innen gewandt sagte er: „Sie sind die erste KI-Generation im Journalismus. Schaffen Sie wertvolle Orientierung, behalten Sie Ihre Neugier und das Gefühl, welche Themen für die Gesellschaft relevant sind.“ 

Im Jubiläumsjahr der 2001 gegründeten Stiftung wurden insgesamt 18.000 Euro an junge Journalist:innen ausgeschüttet. Je 4.000 Euro für drei Recherchestipendien in den Kategorien Internationales, Wissenschaft und Wirtschaft & Finanzen und je 2.000 Euro für drei Sonderpreise in den Kategorien Lokales, Fachmedien und Handwerk. 

Emily Bader erhielt den Sonderpreis der Sir Greene Stiftung für ihre tiefgründige Recherche über einen Landwirt, der seinen Burnout schildert. Mehr erfahren

Franziska Wessel wurde für ihre Geschichte über „Davids Finale“ ausgezeichnet. Sie begleitete die Abschiedsvorstellung eines 38jährigen Ballett-Tänzers im Fachmedium tanz. Mehr erfahren

Leonie Urbanczyk veröffentlichte im Hamburger Abendblatt die Geschichte „Trotz Abi von 1,9: Nele geht erst mal aufs Dach“. Dafür wurde sie mit dem erstmals vergebenen Sonderpreis Handwerk ausgezeichnet. Mehr erfahren

Hans Christoph Böhringer erhielt das Leibniz-Stipendium für Wissenschaftsjournalismus. Er will herausfinden, warum KI-Systeme täuschen und schummeln. Seine Erkenntnisse will er in einem Newsgame zusammenfassen. Mehr erfahren

Zwei der neugebackenen Stipendiaten konnten leider an der Veranstaltung nicht teilnehmen. Pinar Dogantekin wird mit dem Internationalen Medien-Stipendium die Geschichte der Stadt unter der Stadt erforschen. Das Ziel ihrer Reise: Toronto. Mehr erfahren

Auch Joshua Kocher, dem das erstmalig vergebene Recherchestipendium für Wirtschaft & Finanzen zuerkannt wurde, konnte bei der Veranstaltung nicht zugegen sein. Er befindet sich gerade auf einer Recherchereise in den USA. Sein Projekt: eine Untersuchung über die „Hidden Champions“ im Schwarzwald. Dort ballen sich innovative Unternehmen, die Weltmarktführer sind, auch wenn sie kaum jemand kennt. Mehr erfahren

Es war ein inspirierender Abend im Medical Park Hannover. Am Ende des offiziellen Teils dankte die Vorstandsvorsitzende der Sir-Greene-Stiftung, Dr. Sabine Wilp, allen Förderern und Unterstützern: der ROSSMANN GmbH, dem Medical Park Hannover, dem Sparkassenverband Niedersachsen, der Schlüterschen Mediengruppe und dem Mediennetz Handwerk. 

Impressionen von der Verleihung sehen Sie in diesem Video.

Text: Katharina Kümpel, Dr. Sabine Wilp
Fotos: Frank Wilde, Katharina Kümpel