„Martin Kind muss man ja nicht vorstellen. Ihn kennt wirklich jeder!“ Damit startete Heiko Randermann, Reporterchef der HAZ, seine Moderation. Es schloss sich ein einstündiges Gespräch an, in dem es natürlich um Fußball – national und international –, um Unternehmertum und Familie, um ehrenamtliches Engagement und wirtschaftlichen Erfolg und um vieles, vieles mehr ging. Martin Kind zeigte sich nahbar und authentisch und gewährte uns auch ganz private Einblicke in sein Leben und seine Familiengeschichte.
Der Presseclub-Abend am 23. Juni 2026 fand in der Stanze Gartencenter Lounge der Heinz von Heiden Arena statt. Auf Randermanns Frage, was die Arena für ihn bedeute – Wohnzimmer, Büro oder Baustelle – scherzte Martin Kind: „Baustelle, immer Baustelle“. Als er im September 1997 erstmals den Vorstandsvorsitz von Hannover 96 übernahm, stand der Verein sportlich und finanziell schlecht da. Unter Kind gelang der Neuaufbau. In seiner Amtszeit erfolgte der Umbau des Niedersachsenstadions zur AWD-Arena, der heutigen Heinz von Heiden Arena. Damit wurden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass in Hannover Bundesligaspiele und Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 stattfinden konnten.
Aktuell ist das Stadion wieder einmal Baustelle im wahrsten Sinne des Wortes. Bis zum Start in die neue Zweitligasaison Anfang August müssen die alten blauen Sitzschalen durch schwarz-weiß-grüne Sitzschalen ersetzt werden, die dem neuen Design des Vereins entsprechen. Ein Blick ins Stadionrund zeigte den Mitgliedern und Gästen des Presseclubs: Es ist noch einiges zu tun. Wenn es nach Martin Kind geht, sollten weitere Veränderungen folgen. Ein Blick in die Stadien in den USA, in denen derzeit die Weltmeisterschaft ausgetragen wird, zeige, was möglich sei. Da könne Hannover noch nicht mithalten.
Natürlich wurden auch die Unterschiede zwischen der rechtlichen Situation des deutschen Profifußballs und den Profiklubs in anderen europäischen Ländern thematisiert. In Deutschland ist der Profifußball nach wie vor fest im Vereinsrecht verankert, während im restlichen Europa die Klubs stärker kapitalmarktorientiert sind. Dass er diese ungleiche Ausgangslage bedauert, ist hinreichend bekannt.
Aber es ging beim Presseclub-Abend in der Heinz von Heiden Arena nicht nur um Fußball und das jahrzehntelange ehrenamtliche Engagement Martin Kinds für den Fußball in Hannover. Auch der Unternehmer und Familienmensch Martin Kind wurde sichtbar. Der heute 82-Jährige erinnert sich noch gut an seine Kindheit und Jugend. Schule begeisterte ihn nicht wirklich. Dass er trotzdem sein Abitur erfolgreich hinter sich brachte, kann er sich bis heute nicht recht erklären. Ausgebildet wurde er im Anschluss bei Siemens. Am Ende gab ihm sein Ausbilder und Mentor den guten Rat: „Mach dich selbständig!“
1970 übernahm Martin Kind das Hörgeräte-Fachgeschäft seiner Mutter und entwickelte das Unternehmen zu einem der Marktführer der Hörgerätebranche mit rund 600 Standorten in Deutschland. 2006 trat sein Sohn Alexander in die Kind-Gruppe ein und fungierte fast 20 Jahre lang als gleichberechtigter Geschäftsführer des Unternehmens. 2025 wurde die Hörgerätekette an den dänischen Hörgerätekonzern Demant verkauft, der zu den erfolgreichsten Playern weltweit gehört. Der Vorschlag kam von Alexander Kind, und er wusste seinen Vater mit guten Argumenten zu überzeugen.
Wer aber nun glaubt, damit sei für Martin Kind auch der Punkt für einen endgültigen Rückzug erreicht, der irrt. Auch eine schwere Krankheit Ende 2025 konnte seinen Unternehmungsgeist nicht stoppen. Nach wie vor möchte er Dinge bewegen, die ihm am Herzen liegen. „Ich bin ein unruhiger Geist“, erklärte er beim Presseclub-Abend. „Mir ist wichtig, dass Hannover 96 und die Arena eine gute Zukunft haben.“ Die Weichen dafür sind gestellt. Die Zusammenarbeit mit der Stadt Hannover ist von Vertrauen geprägt und läuft gut. Besonders glücklich und stolz ist Martin Kind aber auf die 2016 neueröffnete 96-Akademie an der Eilenriede. Die Nachwuchskaderschmiede des Vereins liegt ihm wirklich am Herzen. Am Ende des Abends sprach er eine Einladung an den Presseclub zu einem Besuch des Zentrums aus, der wir gern Folge leisten werden.
Mit diesem besonderen Abend startet der Presse Club Hannover in die diesjährige Sommerpause. Herzlichen Dank an unseren Gastgeber für seine Zeit, seine Gesprächsbereitschaft und die tiefen Einblicke, die er uns ermöglichte. Ein dickes Dankeschön auch an Heiko Randermann für seine wunderbare Moderation des Abends.
Text: Dr. Sabine Wilp
Fotos: Thomas Borcholte, Dr. Sabine Wilp