Vom Spargel zum Kunststoff: zu Besuch beim IfBB

Referentin Andrea Siebert-Raths

Die Hochschule Hannover hat in der niedersächsischen Landeshauptstadt mehrere Standorte. Einer davon befindet sich in Ahlem, in unmittelbarer Nähe der Gedenkstätte. Hier sind unter anderem das Institut für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe (IfBB) und das Kunststofftechnikum untergebracht, das Mitglieder und Gäste des Presse Club Hannover am 24. Februar besucht haben. 

Das Institut wird von Prof. Dr.-Ing Andrea Siebert-Raths geleitet. Mit ihren 21 Mitarbeiter:innen forscht sie derzeit an verschiedenen Projekten, immer anwendungsorientiert und in enger Abstimmung mit der Industrie. Materialentwicklung, Prozesstechnik & Verarbeitung, Materialprüfung & Analytik, Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeitsbewerbung sowie Kommunikation und Wissenstransfer stehen im Mittelpunkt. 

In ihrem Impulsvortrag machte Andrea Siebert-Raths deutlich, dass es ohne Kunststoffe nicht geht. Sie werden nahezu in jedem unserer Lebensbereiche verwendet. Aber sie machte auch deutlich, dass die Nutzung in vielen Fällen mit Problemen für die Umwelt verbunden ist. Pro Minute landen etwa zwei LKW-Ladungen mit Kunststoff im Meer. Daher forscht das Institut insbesondere im Bereich der Biokunststoffe. Ein Schwerpunkt: bislang ungenutzte Reststoffe aus Kartoffeln, Zuckerrüben oder Spargelschalen, die für biobasierte Kunststoffe genutzt und so zum Beispiel das in der Autoindustrie zum Einsatz kommende Holz ersetzen können. 

Seine bundesweit bekannten Forschungsprojekte nennt das Wissenschaftsteam von Andrea Siebert-Raths IBÖM02: KaVe, Tec4Egg, SpaPlast. Untersucht werden Eierschalen, Spargelreste, Kaffeesatz oder Binsen aus dem Moor. Am Institut werden Verfahren entwickelt, um schwer abbaubares Mikroplastik oder fossile Rohstoffe  durch biologische Stoffe zu ersetzen – etwa für das Mehrweggeschirr von aha, Computermäuse oder Terrassendielen. Im aktuellen Forschungsprojekt „Resi – Reststoffe innovativ“ werden Reststoffe der niedersächsischen Landwirtschaft untersucht. Dabei wird unter anderem untersucht, wie durch die Verwendung von Reststoffen anstelle von frischer Biomasse zusätzlicher Flächenverbrauch vermieden werden kann. 

Im Anschluss an den Impulsvortrag wurde lebhaft diskutiert und nachgefragt. Dann ging es in das mit modernsten Spritzgießmaschinen und Extrudern ausgestattete Kunststofftechnikum. Hier finden insbesondere Materialentwicklungen, Compoundierung und Spritzgießen von biobasierten und konventionellen Kunststoffen und Verbundwerkstoffen statt. Neben der anwendungsorientierten Werkstoffentwicklung stehen parallel die Charakterisierung des Verarbeitungsverhaltens dieser neuartigen Werkstoffe und auch die Analyse der Zusammenhänge zwischen Materialzusammensetzung und Verarbeitungsverhalten im Vordergrund.

Es war ein rundum spannender und sehr informativer Abend. Herzlichen Dank, dass wir beim IfBB zu Gast sein durften!

Text und Fotos: Katharina Kümpel, Dr. Sabine Wilp