Am 8. September 2026 war Konstantin Klenke zu Gast im Presse Club Hannover. Klenke ist freier Journalist und Medientrainer. Seine Masterarbeit an der Hochschule Hannover hat der 27-jährige studierte Politikwissenschaftler vor einigen Wochen abgegeben und wartet jetzt auf das Ergebnis. Klenkes Schwerpunkte sind Künstliche Intelligenz und Dialog.
Momentan ist Klenke vor allem für tactile.news tätig. Dahinter verbirgt sich ein Innovationslabor für neuen Journalismus, das sich mit Dialog- und KI-Lösungen für Redaktionen und Unternehmen beschäftigt. Seine studienbegleitende Journalismus-Ausbildung hat er bei der Konrad-Adenauer-Stiftung absolviert. Danach hat er unter anderem für die Hannoversche Allgemeine Zeitung und den Evangelischen Pressedienst gearbeitet. Als überzeugter freier Journalist engagiert er sich darüber hinaus seit 2025 im Vorstand von Freischreiber e.V.
In seinem Vortrag machte Klenke deutlich, dass das goldene Zeitalter für Journalist:innen inzwischen vorbei sei. Kaum eine Entwicklung verändere den Journalismus derzeit so stark wie künstliche Intelligenz, die sich zur neuen Gatekeeperin entwickele. KI werde im Journalismus vor allem in drei Bereichen eingesetzt. Sie diene dazu, Archive in natürlicher Sprache zu durchsuchen, so etwa bei dpa, Der Spiegel, Der Zeit. Darüber hinaus gebe es Redaktionen, in denen mithilfe von KI Textentwürfe erzeugt werden. Zudem werde KI in Redaktionen eingesetzt, um die Einhaltung von Richtlinien und Kodizes zu überprüfen.
Der KI-Hype sei nur schwer von wirklichem Fortschritt zu trennen. Das machte Klenke deutlich. Neue Werkzeuge ermöglichen schnellere Recherchen, automatisierte Auswertungen und neue Produktionsformen. Gleichzeitig wachse die Gefahr, dass KI-generierte Texte kaum noch als solche zu erkennen sind. Auch KI-generierte Bilder und Videos werden immer authentischer. Manipulationen und Fake News sind damit Tür und Tor geöffnet. KI-Slop (Texte und Bilder von niedriger inhaltlicher Qualität) und toxische Inhalte nehmen zu.
Auch die Rolle von Journalistinnen und Journalisten in einer zunehmend KI-geprägten Öffentlichkeit verändere sich, so Klenke. Er ist aber überzeugt, dass es auch künftig im Journalismus nicht ohne reale Menschen gehen wird. KI könne nicht vor Ort recherchieren und Neues herausfinden, habe kein Bewusstsein und keine Gefühle und könne keine Verantwortung übernehmen. Dennoch sei sie ein zunehmend wichtiger werdendes Arbeitstool im Journalismus.
Impulse zu den Themen Journalist:innen als Marke, Community-Journalismus, Liquid Content, User Needs und Future Needs rundeten den Vortrag ab. Genug Stoff für anregende Diskussionen im Anschluss.
Text: Dr. Sabine Wilp
Fotos: Dr. Sabine Wilp