Leibniz-Ring-Hannover 2012

Verleihung

„Musik öffnet, sie weitet und hebt Grenzen auf. Die jungen Sänger des Thomanerchors verkörpern diese universell verbindende Kraft der deutschen Musikkultur und sind sympatische Kulturbotschafter für Deutschland“, sagte David McAllister, Ministerpräsident des Landes Niedersachsen und Schirmherr der Festveranstaltung „Leibniz-Ring-Hannover 2012“ in seinem Grußwort anlässlich der Ringverleihung am 24. November im Beethovensaal des Hannover Congress Centrum.

McAllister, der selbst als Knabensopran im Staats- und Domchor Berlin gesungen hat, sprach von einer hervorragenden Wahl, den Thomanerchor Leipzig im Jahr seines 800-jährigen Bestehens als fünfzehnten Preisträger des Leibniz-Ring-Hannover auszuzeichnen. Die Ehrung sei auch eine besondere Geste gegenüber der Stadt Leipzig, deren Städtepartnerschaft mit der Landeshauptstadt Hannover seit 25 Jahren bestehe.

In seiner sehr authentischen Laudatio richtete Martin Sauer, Goldmedaillengewinner in London und Steuermann des Deutschland-Achters, den Fokus auf einen weiteren Aspekt der herausragenden kulturellen Leistungen dieses Chores. „Es ist die Art, wie jugendliche Schüler des Chores diesen Kulturbeitrag immer wieder aufs Neue erarbeiten“, sagte der 29jährige Jura-Student. Denn es sei Überzeugungskraft und Arbeit nötig, um eine Gemeinschaft auf ein Ziel auszurichten.

„Es erfordert harte und disziplinierte Arbeit, um das Niveau des Thomanerchores zu erreichen – und noch mehr Mühe, um die erreichte Qualität zu bewahren und immer wieder aufs Neue zu beweisen.“ Um diese Qualität über Generationen zu bewahren, genüge es nicht, sich die eigene Tradition immer wieder vorzuhalten. „Die Mitglieder des Chores müssen sich immer wieder begeistern. Diese Begeisterung könne nur aus dem Inneren des Chores erwachsen. „Die Eigenmotivation seiner Mitglieder hebt den Chor auf ein Level, auf dem er andere Menschen nicht nur erstaunt, sondern begeistert.“ Die jugendlichen Thomaner stünden damit auch für die vielen jungen Menschen, die nicht nur auf Geld, Prestige oder individuelle Anerkennung aus seien. „Sie zeigen, dass es für den Erfolg auf andere Werte ankommt: eine identitätsbildende Tradition, ein Kollektiv, das den Einzelnen zu individueller Leistung motiviert und für diese auch respektiert, und ein Verständnis von Disziplin, die die notwendige innere Kraft ist, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.“

Den Leibniz-Ring-Hannover verleiht der Presse Club Hannover. Das Kuratorium unter Leitung von Prof. Markus Schächter hatte den Thomanerchor wegen dessen – auch international – herausragenden Leistungen ausgezeichnet. Jürgen Köster, Vorsitzender des Presse Clubs und Jury-Mitglied äußerte für die Jury die Hoffnung, dass der Ring „zur Tradition des Thomanerchores gehören wird, weil er zukunftsoffen gestaltet“ sei: Auf dem im Ring enthaltenen  80 cm langen herausziehbaren Schriftband sind alle Thomas-Kantoren der 800-jährigen Geschichte bis zum  derzeitigen Kantor Prof. Georg Christoph Biller mit ihren Initialen aufgeführt (pro Jahr Amtszeit ein Millimeter), und es ist Platz für weitere Namen.

Burkhard Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, dankte für die Auszeichnung mit dem renommierten Preis im Namen der Stadt und des Thomanerchores, der „ein Stück Seele der Stadt und Teil ihrer bürgerschaftlichen Tradition“ sei. Er zeigte sich sehr angetan von der kunsthandwerklichen Idee des Goldschmiedemeisters Thomas Manz für den Leibniz-Ring, dessen Geschlossenheit der äußeren Form die Einheit des seit 800 Jahren bestehenden Chores sowie den Bezug zur Leibniz´schen Definition von Musik als einem „verborgenen Zählen der Seele“ symbolisiere und das darin enthaltende Schriftband die „nicht enden wollende Geschichte des Chores“.

Geschäftsführer Dr. Stefan Altner dankte im Namen des Chores für die hohe Auszeichnung und übermittelte die Grüße von Thomaskantor Biller, der sich wieder auf dem Wege der Genesung befindet. Er ging auf die freundschaftliche Verbindung der Thomaner mit dem Knabenchor Hannover ein. Außerdem wies er auf die enge Verbindung von Wilhelm Leibniz mit Leipzig hin. Ein Stiefbruder von ihm war Lehrer an der Thomasschule, das beeindruckende Leibnizdenkmal, das heute auf Universitätsgelände steht, stand bis zur Errichtung des Neuen Bachdenkmals von Carl Seffner im Jahre 1908 auf dem südlichen Thomaskirchhof. Leibniz war an der Nikolaischule Schüler des für Leipzig so wichtigen Schulmannes Jakob Thomasius, der später Rektor der Nikolaischule und zuletzt der Thomasschule war. Seine "Acta Nicolaitana et Thomana" sind eine wichtige Quelle zur Leipziger Stadtgeschichte.

Stellvertretend für alle Thomaner trug der 14-jährige Sopran Paul Vogel zwei geistliche Lieder und einer Aria aus Schemellis Gesangsbuch von Johann Sebastian Bach vor.

Über 300 Gäste – unter ihnen der Oberbürgermeister von Hannover Stephan Weil und die Begründer der Städtepartnerschaft Dr. Hinrich Lehmann-Grube und Dr. Herbert Schmalstieg – verfolgten die stimmungsvoll gestaltete Festveranstaltung.

Musikalisch umrahmt wurde die Ehrung durch Auftritte des Vokal-Ensembles „amarcord“, dessen Sänger ehemalige Thomaner sind.


Fotos: Joachim Giesel